Wir haben die Gründerin Zarah Bruhn von socialbee getroffen.
Wie kam Dir die Idee zu socialbee?
Während meines Studiums traf ich viele Gründer im Bereich nachhaltige Technologien und fragte mich, wie kann man mit unternehmerischen Mitteln etwas Gesellschaftliches beitragen?
Und dann war die Flüchtlingskrise. Ich hatte in der Uni eine Freundin kennengelernt, die aus Syrien geflohen ist und habe so ihre ganze Familiengeschichte mitbekommen. Das war sehr intensiv. Gemeinsam halfen wir am Wochenende ehrenamtlich, dabei fragte ich mich immer wieder, wie lange kann das Ehrenamt durchhalten?
Durch meine Vorerfahrungen überlegte ich, ein Unternehmen zu gründen und testete verschiedene Ideen, von Helferplattformen bis Freundschaftsnetzwerken. Dabei stellte ich fest, dass Arbeit immer der Schlüssel zur Integration ist. Die geringe Zahl an Geflüchteten in DAX-Unternehmen machte mir klar, dass diese Hilfe benötigen. Viele Unternehmen haben gute Intentionen, aber die Einstellung von Geflüchteten ist oft wahnsinnig komplex. Daher macht es
Sinn, als spezialisierter Dienstleister die Suche, Bürokratie, Betreuung und vieles mehr zu übernehmen. So können Unternehmen effektiver arbeiten und wir sammeln wertvolle Erfahrung und Expertise. Wir helfen Geflüchteten am meisten, indem wir Unternehmen befähigen, sie einzustellen. Gerade durch die Arbeit kommt der soziale Aufstieg. Dieser ermöglicht Integration, schafft Berührungspunkte in der Gesellschaft und den Aufbau eines selbstbestimmten Lebens.
Worauf bist Du bei socialbee besonders stolz?
Wir haben ein wahnsinnig tolles Team, was mit viel Leidenschaft bei der Sache ist. Wir sind ein Impact Unicorn, das heißt, wir können mit unserem Vorhaben der Gesellschaft enorm viel Geld sparen. Das motiviert uns und zeigt, wie mit unternehmerischen Mitteln gesellschaftliche Probleme gelöst werden können. Es ist toll, als First Mover und Pionier in Deutschland ein Teil davon zu sein. Und wir sind neugierig, wie weit wir noch kommen. Und natürlich auch stolz darauf, wie viel wir schon erreicht haben. Stolz ist für mich jedoch immer so ein Begriff, wo man denkt, da kann man sich ausruhen. Von daher bin ich eher immer kritisch, dass wir noch nicht genug geschafft haben.
Welchen Impact hat socialbee nicht nur auf die Geflüchteten, sondern auch in Bezug auf die Vielfalt in unserer Gesellschaft?
Durch die Geflüchteten, die wir über die Unternehmen einstellen, entstehen Berührungspunkte und neue Narrative. Wenn der Mohamed der Kollege ist, mit dem man Mittagessen geht, wird die Haltung bei der Belegschaft, die dem Thema skeptisch gegenübersteht, plötzlich ganz anders. Wir unterstützen die Unternehmen niederschwellig und effektiv, bieten Diversity und Awareness Trainings sowie Feedback zu Strukturen an. Wir wollen, dass Integration Spaß macht. Auf der anderen Seite machen wir die Talente so fit und bereiten sie vor, dass sie einen „guten Eindruck“ hinterlassen, weil jede positive Geschichte und jede positive Erfahrung zählt. Mit unseren Programmen wollen wir zeigen, wie viel Potenzial in ihnen steckt – insbesondere in geflüchteten Frauen.
Über socialbee:
Weg in ein selbstbestimmtes Arbeitsleben. Durch gezielte Qualifizierungs- und Förderprogramme werden die Potenziale von Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund entfaltet und ihre berufliche sowie soziale Eingliederung gefördert. Als ganzheitlicher Partner hilft socialbee Unternehmen bei der Rekrutierung und Integration. Seit 2021 fördert die
Ferry-Porsche-Stiftung socialbee, um gemeinsam langfristige Perspektive zu schaffen.
Bilder: Social-Bee gGmbh


